Deutsch als Fremdsprache in Israel

Das gibt einen Aufstand!
 
Das funktioniert nie!

Sind Sie verrückt? - kommen Sie in 30 Jahren wieder!

So und ganz ähnlich schallte es mir von offiziellen Stellen entgegen, als ich mit der Idee Mitte der 1980er Jahre ankam. Aber man ließ mich gewähren.

Aber so war es nicht! Jede Schule in Israel, die ich auf diese Idee ansprach, reagierte ganz positiv, hochinteressiert und viele fragten „Warum erst jetzt?“.


Ich hatte mir vorgenommen: wenn auch nur eine Lehrkraft ablehnend reagieren würde, etwa „Die Sprache der Täter kommt nicht in dieses Haus“ o. ä., würde ich mich sofort zurückziehen und dafür Verständnis haben. Aber es gab auch nicht ansatzweise irgendeine solche Reaktion. Im Gegenteil. Zunächst wurden es rund 15 Schulen, die anfingen Deutschunterricht zu erteilen. Manche Eintagsfliege war dabei. Aber bis heute gibt es einige Schulen die Deutsch als Fremdsprache ganz kontinuierlich und erfolgreich unterrichten – bis zum Bagrut (Abitur).


Gerade haben wir für eine ORT-Schule in Binyamina das erste Schuljahr mit einem dreistündigen Deutsch-Kurs finanziert. Damit ist hoffentlich ein guter Anschub geleistet. (Die israelische Schule hatte sich recht spontan bei Schuljahresbeginn zu diesem Schritt entschlossen. Und so kurzfristig konnten deutsche Behörden nicht mehr positiv entscheiden.) Von der starken Nachfrage war dann selbst die Schule überrascht. Nun hoffen wir, dass der künftige Deutsch-Unterricht das Schulische Angebot der ORT-Binyamina dauerhaft erweitern wird, die deutschen Behörden den Unterricht unterstützen und durch die vermittelten Sprachkenntnisse der bestehende Jugendaustausch mit Binyamina ein wertvolles Qualitätsmerkmal dazugewinnen wird.


Die Deutschlehrerin Rita Lancet aus Haifa hat einmal DaF-Schüler nach ihren Motiven für die Wahl des Deutschunterrichts befragt. Die Antworten waren recht interessant:


Deutsch-stämmige familiäre Hintergründe allgemein
„Geheimsprache“ der Großeltern verstehen wollen
Nähe zum Jiddischen
Interesse an Deutschland als Kulturnation („Goethe und Schiller im Original lesen“
Deutschland als Wirtschaftsmacht, Sprache als Karriere-Basis
Deutsch als weit verbreitete Fremdsprache, v. a. auch in Osteuropa
„Sprache der Feinde“ (aus der Shoah) verstehen wollen
ganzheitlicher, methodisch-besonderer Unterricht
Schülerbegegnung, Schüleraustausch, geplanter Deutschland-Aufenthalt
„Warum nicht?!“ (Für mich die erfreulichste Antwort!)

 

Foto: Wandzeitung in der Jud-Daled Schule in TelAviv 1994

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